Warum wir mit Feuer spielen!

Das Affenhaus in Krefeld: Abgebrannt. Polizisten in Leipzig: Verletzt. Allein in Berlin: Mindestens 15 Schwerverletzte durch Böller… In ferner Zukunft wird man vielleicht fragen: Warum haben die das gemacht? Weil sich irgendwann ein Brauch einschlich, dass die bösen Geister des alten Jahres mit lautem Knallen und Feuerwerk vertrieben werden müssten. Nach etwa 150 Jahren wilder Knallerei muss man leider feststellen: entweder scheren sich Geister nicht ums Knallen – oder aber es lockt sie eher an…

Befürworter der Silvesterknallerei geben gern an, dass man genug von Verboten hat und es auch mal „krachen“ lassen möchte. Und dass ein Verbot nur noch mehr Wutbürger produziert, die dann AfD wählen. Und dass diese miesepetrigen Spaßverderber sich mal nicht so elitär gebärden sollen.

Im Mittelalter gab es einen anderen Brauch gegen böse Geister, der ebenfalls was mit Feuer zu tun hat: Hexenverbrennung. Irgendwann muss auch da der Gedanke aufgekommen sein, dass Hexenverbrennungen vielleicht nicht ganz so effektiv böse Geister vertrieb wie man sich das gern wünschte. „Vielleicht sollten wir Hexenverbrennungen verbieten“, wird jemand gesagt haben. „Wie bitte?“ wird es ihm entgegengeschallt haben. „Gibt es nicht schon genug Verbote? Darf man es nicht mal mehr gelegentlich krachen lassen und eine Hexe verbrennen? Diese miesepetrigen Spaßverderber sollen sich gefälligst nicht so elitär gebärden. Sonst müssen wir leider überprüfen, ob sie nicht selbst vom Teufel besessen sind…“

Vielleicht blicken die Menschen in 100 Jahren Menschen auf die Toten, Verletzten, Verstümmelten der Silvesterbräuche des frühen 21. Jahrhunderts mit ähnlicher Abscheu zurück wie wir auf Hexenverbrennungen. „Messer, Schere, Feuer, Licht – sind für kleine Kinder nicht!“ sagte meine Mutter gern in Abwandlung eines bekannten Sprichworts. Leider gibt es viel zu viel als Erwachsene getarnte kleine Kinder.