Warum wir verkohlen!

Vor kurzem sagte der australische Premierminister Scott Morrison, wie bedrückt er sei, dass Leute Waldbrände und massive Kohleförderung in Zusammenhang brächten. Das ist eine Argumentationsstufe, die in etwa auf einer Linie mit einem Vater steht, der seinem Sohn erklärt, wie bedrückt er sei, dass der Spross seine Geburt mit Sex zwischen seinen Eltern in einen Zusammenhang brächte – wo doch jedes vernünftige Kind wüsste, dass der Klapperstorch die Babys bringt!

1,25 Milliarden Tiere sind (nach konservativen Schätzungen) verbrannt – vermutlich die größte Katastrophe für die Tierwelt in einem kurzen Zeitraum seit dem Untergang der Dinosaurier. Zusätzlicher CO2 Ausstoß durch die Feuer: mindestens zwei Drittel der jährlichen Emissionen des ganzen Kontinents. Die Bevölkerung Australiens: Entweder mit dem nackten Überleben beschäftigt oder ziemlich aufgebracht.

In diese explosive Melange tappt die Firma Siemens mit grandioser Nachhaltigkeits-Desensibilisierung und verkauft der Kohleindustrie Australiens ein Signal-System für den Abtransport der Kohle an die Küste, wo sie weiter verschifft wird. Dafür erntet Siemens grade viel Kritik (um es mal milde zu formulieren). Die Firma könnte dem entgegenwirken, indem sie ein Signal-System produziert, das ausschließlich auf „Rot“ steht, ist aber auf diese Idee noch nicht gekommen. Dabei wäre sie dann nicht vertragsbrüchig geworden und hätte dem Klimaschutz einen Gefallen getan…

Gefallen für den Klimaschutz sind selten zurzeit. „Kohle-Ausstieg“ ist in Australien ein Thema, das höchstens im eigenen Portemonnaie stattfindet… Stattdessen seien die Feuer in Australien „nur durch Brandstifter entstanden“, behauptet eine Desinformationskampagne. Vielleicht sollte es besser heißen: Eine „Verkohlungskampagne“. Leider scheinen Leugnen und Lügen populistischer Akteure zur etablierten Masche zu werden. Dann sind vermutlich bald die Flüchtlinge an Bränden schuld (wie einst die Juden). Dann bringt der Storch wieder die Kinder. Und die Erde ist eine Scheibe. Was passiert, wenn Verkohlen zur Methode wird, ist derzeit in Australien zu besichtigen.