Lockdown Tag

Warum wir so gern scherzen!

Lockdown über Ostern! Und dann doch wieder nicht. Also ein Lockdown für den Lockdown. Das heißt: keine Geschäftsschließungen für Gründonnerstag. Und eine Entschuldigung der Kanzlerin! Kurzzeitig dachte ich, ich wäre vielleicht verrückt geworden – bevor mir einfiel, dass ich das schon länger bin. Und dann fiel mein Blick auf den Kalender: Gründonnerstag – der 1. April. Das war es also: Das Ganze war ein früher Aprilscherz! Und Merkel beweist mit ihrer Entschuldigung und der Rücknahme eines Mini-Lockdowns, dass der „doppelt gesprungene Rittberger rückwärts“ nicht nur im Eiskunstlauf sondern auch in der Politik eine ernst zu nehmende Disziplin ist.

Vor allem aber wird mehr und mehr klar, dass Deutschland vielleicht gar nicht so dringend daran interessiert ist, die Pandemie loszuwerden. In der Küchenpsychologie wird bei chronischen Krankheiten gern gefragt: „Jetzt guck doch mal, ob das nicht auch was mit dir zu tun hat?“ Kann es sein, dass wir Deutschen die Pandemie heimlich lieben? Kann es weiterhin sein, dass unser Bierkonsum deshalb so drastisch eingebrochen ist, weil wir bereits pandemie-trunken sind – und daher diesen sagenhaften Schlingerkurs ganz ohne Alkohol hinbekommen? Brauchen wir analog zum Bestseller „Krankheit als Weg“ einen Ratgeber „Pandemie als Weg“?

Vielleicht finden wir es insgeheim ganz angenehm, wenn die meisten Gesichter unter Masken verborgen sind – viele Fratzen werden dadurch ansprechender… Vielleicht haben wir die vielen Urlaube, Grillpartys und das Gedränge in Bussen und Bahnen einfach satt. So eine Zeit der relativen Ruhe hat ja auch einen blutdrucksenkenden Effekt – Pandemie als Weg… Schon der Buddha wusste: Vor der endgültigen Befreiung muss das gesamte Ausmaß des Leidens umfänglich gefühlt sein. Und mal ganz ehrlich: Wenn wir den Lockdown nur bis 2050 durchziehen – dann rückt auch das Erreichen der Klimaziele in greifbare Nähe…

Alles nur Gerede!

Am 30. März um 19.30 Uhr ist Chin zu Gast bei Christian Bendig.

Im Clubhouse Gespräch wird es u.a. um Fuselanleihen, Auftritte bei Markus Lanz, Kunst im Lockdown, die Political Correctness von Corona-Witzen und vieles mehr gehen.

Weitere Infos hier.

Warum wir jetzt im Lockdown bleiben!

13.02.2022 Lockbuch des Lockdown. 15.45 Uhr Lockdown-Zeit. Gerade wieder ein Treffen des ZK, äh, Verzeihung, der Ministerpräsidenten-Konferenz, kurz MPK, gesehen. Der Lockdown wird wieder verlängert. Vorsichtshalber bis 7.3.2024. Vertreter der Wirtschaft kritisieren das – sind aber nur noch zwei. Der Rest der Vertreter sitzt vor der Wirtschaft – also vor der Kneipe – und bettelt.

Sah es vor einem Jahr noch nach Lockerung Anfang März 21 aus, war direkt nach Auftauchen von bayrischen Mutanten klar, dass das nichts werden würde. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass Mutanten ohne „h“ geschrieben wird, also nicht „Muh-Tanten“ – die Tanten, die wir früher nur „dumme Kühe“ nannten. Ilse Aigner hat also nix damit zu tun.

Im Nachhinein egal – der Lockdown quälte sich so lange durch den Sommer, dass die Leute die Schnauze voll hatten von allem mit „Lock“ drin. Sogar „Lock-erung“ wurde untersagt. Auch „Lock-en“ – verboten. Daher „Lock-down“ – runter mit den Locken. „Dauerwell from Hell“, der Karnevals-Schlager des Jahres 2022 fiel natürlich aus – genau wie der Karneval.

Langsam zeigen sich die Kehrseiten der langen Lockdown-Zeit. Viele Leute kriegen einen Schock, wenn sie Gesichter ohne Maske sehen. Teilweise Nervenzusammenbrüche, wenn Menschen sich aus Versehen unmaskiert im Spiegel sehen. Unverhüllte Gesichter gelten als Erregung öffentlichen Ärgernisses – Menschen heiraten, ohne je die Nase der Partner*in gesehen zu haben. Allerdings gibt es ein 14tägiges Rückgaberecht. In Filmen, die vor 2021 gedreht wurden, werden die Gesichter südlich der Augen verpixelt, um nicht als Pornografie zu gelten.

Die Regierung gibt weiter Durchhalteparolen aus: „Wer zuletzt lockt, lockt am besten!“ „Wäre doch gelockt“ und „Locken stärkt Körper und Seele“. Die Bundestagswahl wurde abgesagt, da Netflix schon vorher die Weltherrschaft übernommen hatte, was aber nicht auffiel, da alle auf die neue Staffel von „Immer für dich da“ warteten.

Wache auf. War nur ein Traum. Oder etwa nicht?

Warum wir jetzt so viele Freunde haben!

Gute Nachricht: Corona ist nicht nur ein Konjunkturprogramm für Amazon und Google – sondern auch für die Schwarzarbeit. Diese hat im Lockdown mal locker um etwa 10 Prozent zugenommen. Wenn das so weiter geht, muss sich demnächst ein Virus vor Gericht wegen „Beihilfe zur Steuerhinterziehung“ verantworten.

Nun ist Schwarzarbeit ja nicht wirklich ein „Kavaliersdelikt“ – wobei man natürlich an dieser Stelle mal die Frage stellen muss, was für Delikte Kavaliere überhaupt noch begehen dürfen, seit illegale Autorennen, Vergewaltigung und Ehrenmorde aus dem Katalog geflogen sind? Das Leben als Kavalier ist nämlich bei weitem nicht mehr so lustig wie noch vor 50 Jahren. Aber das darf man ja dieser Tage auch nicht mehr sagen, da gibt es gleich wieder den „Gender-Maulkorb“… Durch Schwarzarbeit entgehen dem Staat (und damit uns allen) Einnahmen, gegen die industrielle Steuervermeidung wie ein Kavaliersdelikt wirkt. Ach richtig, „Steueroptimierung multinationaler Großkonzerne“ – das gilt natürlich auch weiterhin als „Kavaliersdelikt“!

In Österreich heißt Schwarzarbeit übrigens „Pfusch“. Andererseits heißt „schlampige Plaudertasche“ in Österreich ja auch „Verfassungsschützer“…! In Deutschland, wo es korrekter zugeht, heben wir uns den Begriff „Pfusch“ für die Impfstrategie der Bundesregierung auf!

Die Situation ist drastisch: Menschen mit überlangen Haaren sind nicht notwendigerweise Hippies – vielleicht haben sie einfach nur Streit mit allen Friseur-Freunden… Denn viele sagen: Das ist keine Schwarzarbeit, sondern eine kleine, freundschaftliche Gefälligkeit. Seit Corona wird unser Freundeskreis unglaublich groß: Auf einmal zählt sogar die Oberschicht Friseure und Prostituierte zu ihren guten Freunden. Da erhält der Begriff „Intim-Freundin“ eine starke, wirtschaftliche Relevanz.

Leider geht bei so viel Freundschaft gerne mal die Hygiene flöten. Wo in Bordellen, Friseursalons und Restaurants Hygienekonzepte gelten, werden die in Privatwohnungen gern mal so locker gehandhabt wie die Menschenrechte in Russland. Denn leider gilt immer noch: mehr Freunde – mehr Corona. Mehr Corona – mehr Lockdown…

X