Juli 2021

Warum wir viel Geld für nichts ausgeben!

Das Internet ist unterm Hammer. Das World Wide Web, kurz www. wurde gerade für 4,8 Millionen Dollar versteigert. Also jetzt nicht gleich das ganze Netz – sondern der 1989 von Tim Berner-Lee geschriebene Quellcode mit Unterschrift. Als NFT. NFT ist übrigens kein Akronym „Nur Für Trottel“, sondern steht für Non Fungible Token, zu gutdeutsch „nicht auswechselbare Wertmarke“ oder „Echtheitszertifikat“.

 

Man besitzt somit eine digitale Kopie, die sich nicht von anderen digitalen Kopien unterscheidet – hat aber das Blockchain-Echtheitszertifikat… Also doch „Nur Für Trottel“ möchte man denken, aber ganz so einfach ist es nicht: Jetzt lassen sich Original und Fälschung sehr gut auseinanderhalten. Hätte jeder Furz ein NFT, wüsste man, wer im vollbesetzten Fahrstuhl die bösen Blicke verdient…

 

NFTs können daher für Künstler sehr wertvoll sein. Wenn da nicht der klitzekleine Pferdefuß der Klimabilanz wäre. NFTs sind wie viele der mit ihnen verwandten Kryptowährungen dermaßen energiehungrig, dass man bald fragen wird: Hat dein Smartphone noch Strom – oder besitzt du bereits ein NFT?

 

Der Hype ist in vollem Gange. Der Künstler „Beeple“ verkaufte das Echtheitszertifikat einer digitalen Foto-Kollage für 69 Millionen Dollar. Es ist das geilste Geschäft der Welt: Du hast es – du verkaufst es – du hast es immer noch!

 

Je furioser wir uns digitalisieren, desto mehr kaufen und verkaufen wir merkwürdige Kombinationen von Einsen und Nullen. Wo vorher noch ein haptischer Gegenstand, ist jetzt nur noch ein Software-Code. „Viel Lärm um nichts“, hätte Shakespeare gesagt. Dieses Prinzip erhält jetzt auch in der „realen“ Welt Einzug: Der italienische Künstler Salvatore Garau verkaufte gerade eine unsichtbare Skulptur für 15.000 Euro. Mit der Bedingung, dass der Käufer eine Ausstellungsfläche von 1,5 Quadratmetern bereitstellt. Die Skulptur ist jedoch immateriell – also nicht vorhanden. Endlich erhält der „Leerverkauf“ auch in der Kunst Einzug!

Warum die Außerirdischen unter uns sind!

„Schau mal!“ Aufgeregt kommt mein Bruder zu mir und deutet auf eine Reihe leuchtender Sterne, die sich mit militärischer Präzision über den brandenburgischen Himmel bewegt. Leider war es nicht die ersehnte Invasion intelligenter Außerirdischer, welche die Menschheit von ihrer Verblödungskultur heilt – sondern Elon Musks „Starlink“-Satelliten, die über schnelleres Internet die Verbreitung von Facebook und Co beschleunigen – also eine eher „unterirdische“ Invasion der Verblödungskultur selbst.

Diese Starlink-Flüge führen zu einer erhöhten Anzahl an „UFO-Sichtungen“. Der gerade vorgelegte „UFO-Report“ des Pentagon kommt sogar zu dem Schluss, dass es „mit einer Ausnahme für keines der gesichteten unbekannten Objekte eine Erklärung“ gibt. Man könnte das als Wunder werten. Mir erging es ähnlich mit Algebra, was meinen Mathelehrer zum Ausruf veranlasste: „Meyer hat mit einer Ausnahme für keines der gesichteten unbekannten Objekte eine Erklärung – ein Wunder! Und eine Sechs!“

Die mangelnde Nähe meines Mathelehrers zu Außerirdischen sollte allerdings nicht zu der Annahme verleiten, dass es letztere nicht gibt. Sie sind nur verdammt gut getarnt. Vermutlich besetzen sie bereits die Schaltstellen der Macht in Wirtschaft und Sport. Wer sorgt denn für vollbesetzte Stadien in Delta-Britannien während einer Pandemie? Die UEFA – kurz für „Unidentifizierte Engstirnige Filzokratie Asoziale“ – hat es mit dem Leiden gewöhnlicher Erdenbewohner nicht so. Genauso wenig wie Klimaleugner-Staatsoberhäupter. Sie sind im wahrsten Sinne nicht mehr irdisch, also außer(halb) von irdisch – außer-irdisch. Außerirdische können unbegrenzt Ressourcen verbrauchen, weil sie sicherlich noch etliche andere Planeten in der Hinterhand haben. Es ist nur unklar, wo genau die sind und ob man rechtzeitig zum Mittagessen wieder zurück ist… Entweder das… – oder die unterirdische Invasion der Verblödungskultur ist schon verdammt weit fortgeschritten.

Warum wir doch nicht so aufgeblasen sind!

„Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Inflation“, heißt es zurzeit gern. Die Schlussfolgerung vieler Wirtschaftsliberaler lautet da: Lohnzurückhaltung! Nur wenn die Leute, die ohnehin schon nichts haben, noch weniger haben, lässt sich die Preissteigerung wirksam bekämpfen – nach der gleichen Logik führt übrigens auch eine amputierte Hand zu mehr Beweglichkeit!

Selbstredend gibt es eine Aufblähung, sprich Inflation, auf vielen Ebenen. Etwa beim „Volkskörper“: Ein Strandbesuch an der Ostsee wird so lange als Umweltkatastrophe wahrgenommen, bis man erkennt, dass die merkwürdige rote Herde gestrandeter Wale nur übergewichtige Mitbürger*innen mit Sonnenbrand sind.

Auch bei überflüssigem Gelaber gab es in den letzten Facebook und Twitter-Jahren eine Super-Inflation, gegen die sogar die deutsche Mega-Inflation von 1923 nur ein müder Abklatsch ist.

Oder bei Trennungen. War eine Scheidung im Alter von 30 noch nahezu umsonst, ist sie im Alter von 60 um mehrere Tausend Prozent teurer – fragt Bill Gates…

Nicht zu vergessen Managementgehälter: Verdiente ein Top-Manager (und hier muss man noch nicht mal gendern…) in den 70gern noch das 10fache eines Arbeiters, ist es heute häufig das 100fache (in den USA sogar das 300fache). Mal eben eine schlappe Super-Inflation von 900 Prozent. Manager haben also entweder ihren Arbeitstag unbemerkt von acht auf 80 Stunden verlängert – oder ihre Bilanz künstlich so aufgebläht, dass im Vergleich selbst Wirecard ein solider Konzern wäre.

Die Inflation in Deutschland lag im Mai etwa 2,5 Prozent über Vorjahresniveau. Allerdings war 2020 Lockdown und die Preise so im Keller wie die Laune Dieter Bohlens nach dem DSDS-Aus. Da ist eine Steigerung nicht schwer: Wenn ich anderthalb Äpfel habe, die wegnehme, und dann wieder zweieinhalb Äpfel hinzufüge, habe ich zwar gefühlt ganz schön viel Äpfel – aber doch nur einen mehr als vorher. Das versteht jedes Kind. So ist auch das Gezeter über die „Mega-Inflation“ nur wie ein krasser Spruch von Dieter Bohlen: heiße Luft.