Februar 2019

Warum die Dampfer unter uns sind!

Der Raucher schien besiegt. Brutal vertrieben durch das Rauchverbot in Kneipen sah man ihn einst noch unter Heizpilzen in kleinen Rudeln gedrängt vor Gaststätten stehen – wie eine Herde kiffender Moschusochsen im Exil. Dann wurden auch die Heizpilze verboten. Immer seltener sah man den putzigen Gesell – er traf sich jetzt fast nur noch in geheimen „Einraumkneipen“-Zirkeln, in deren nikotingeschwängerter Rauschschwaden-Dichte Sauerstoff zu einer verfolgten Minderheit mutierte. Das erschwerte die Chancen des Rauchers auf dem Paarungsmarkt – immer weniger Menschen wollten mit einem kalten Aschenbecher an ihrer Seite aufwachen. Die UNO überlegte bereits, den Raucher auf die Liste bedrohter Tierarten zu setzen.

Doch die Lage hat sich geändert. „Guck mal“, sagt ein Freund neulich, „schon wieder ein Dampfer“. Ich überlege kurz, ob ich mir Sorgen um seinen Geisteszustand machen muss – immerhin sind wir mitten in der Stadt, weit weg von einer schiffbaren Wasserstraße. Als ich von einer Dampf-Wolke umhüllt werde, bemerke ich meinen Irrtum. Denn der Raucher ist wieder da – nur eben nicht mehr als Raucher, sondern als „Dampfer“.

Der Dampfer – verachtet von „echten Rauchern“, die in ihm nur ein Weichei sehen, der sich einem aufrechten Lungentod nicht stellen möchte. Belächelt vom Nichtraucher beim Nuckeln an seiner Maschine – ein Grenzgänger zwischen den Welten. Da hilft es ihm wenig, wenn er von den vielen Aromen schwärmt, die er neuerdings dampft: „Kirsch-Limone mit etwas Johannisbeere im Abgang“ – er klingt manchmal wie ein Wein-Connaisseur auf Steroiden, der von einem LSD-Flashback nicht zurückgekehrt ist.

Aber eins muss man ihm lassen: Er stinkt nicht mehr! Und außerdem: Auch unter Kannibalen gibt es einen neuen Trend, wie sich neulich auf Papua-Neuguinea zeigte, als der kleine Kannibalenjunge auf den Kochtopf zeigte und rief: „Papa – der Mann dampft ja!“ „Richtig, mein Sohn – das weiß doch jeder: gedämpftes Essen ist viel gehaltvoller!“

Warum wir dringend mehr abtreiben müssen!

Der umstrittene Paragraf 219a, der Information über Abtreibung unter Strafe stellt, wurde diese Woche „reformiert“. Herausgekommen ist ein Kompromiss, der dem Begriff „windelweich“ eine neue Dimension verleiht – im Endeffekt sorgt er nämlich für mehr Absatz weicher Windeln. Und verhindert, dass Ärzte auf ihren Webseiten über Abbruch-Methoden informieren.

Immer weniger Ärzte bieten auf Druck sogenannter „Pro-Lifer“ Abtreibungen an. Diese fanatischen Abtreibungsgegner, frauenfeindliche „Fötus-Fans“ gewissermaßen, sind nebenher auch gern mal gegen Flüchtlinge und für die Todesstrafe nach dem Motto: „Wir wollen abwarten, bis das Ding laufen kann, bevor wir es umbringen!“ Dabei müsste Abtreibung eigentlich in ihrem Interesse liegen – mehr Abtreibungen hieße weniger Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, Migration… Und: Hätte Hitlers Mutter abgetrieben, wäre sehr viel jüdisches Leben gerettet worden! Auch Donald Trumps Mutter muss sich den Vorwurf mangelnder Nächstenliebe gefallen lassen.

Wer sagt eigentlich, dass das Leben dem Tod vorzuziehen ist? Vielleicht merken wir nach dem Sterben, wie erstrebenswert der Zustand ist. Vielleicht ist der Tod wie ein immerwährender Orgasmus auf Ecstasy ohne Nebenwirkungen? Vielleicht blicken wir nach dem Tod auf unser Leben zurück wie auf eine schlechte Beziehung: „Hätte ich geahnt, wie geil es ohne ist, hätte ich mich schon viel eher von meinem Körper getrennt…“

Gerade religiöse Menschen erzählen einem ja immer, wie toll das Paradies ist. Warum hindern sie dann kleine Menschen am Expresszugang? Vielleicht sollte es unter Strafe gestellt werden, wenn ein Fötus, anstelle sich in eine Pole Position fürs Jenseits zu begeben, erst mal eine Strafrunde auf der Erde drehen muss, dort von fiesen Mitschülern, Lehrern und einem bekloppten TV-Programm gefoltert wird, bevor er endlich bei magerer Rente einsam vor sich hin krepiert…

 

Warum wir dringend Berater brauchen!

Rund eine Milliarde Euro hat die Bundesregierung in den letzten Jahren für externe Beratung ausgegeben. Nun ist es natürlich super, wenn man zugibt, keine Ahnung zu haben und jemand fragt, von dem man glaubt, dass der sie hat. Wobei man vielleicht lieber jemand fragen sollte, der etwas nicht nur „ahnt“ oder rät, sondern konkret weiß! Also keine Be-Rater, sondern am besten „Wissende“… Das ist teuer. Wobei sich die Kosten natürlich lohnen können, wenn sie im Nachhinein Geld einsparen.

Viele kennen das von zuhause, wenn die Dame des Hauses fragt: „Wieso fehlt wieder Geld in der Haushaltskasse?“ „Naja, äh…“ „Gib es zu: Du warst im Puff!“ „Nein, so kann man das nicht sehen, es handelte sich um einen Intensiv-Kontakt mit externen Fachberatern zur Verbesserung inter-körperlicher Kommunikation!“ „Gut, ich gebe hiermit weitere Gelder für das Projekt frei.“ „Wie bitte?“ wird er verdattert fragen, „du gibt Gelder frei? Aber – wir wollten doch sparen!“ „Genau, wenn deine Fachkompetenz auf diesem Gebiet ein erträgliches Maß erreicht hat, können wir endlich den Gärtner feuern!“

Besonders das Verteidigungsministerium fiel in den letzten Jahren durch eine Vergabepraxis für Beraterverträge auf, die in etwa so transparent war wie Milchglas in einer dunklen Nacht. Einige Berater sollen derart eng mit führenden Verteidigungsleuten verbandelt gewesen sein, dass man darum bittet, den Begriff „Vettern-Wirtschaft“ durch „Kameraden-Kneipe“ zu ersetzen.

Nun ist man schnell versucht, andere zu kritisieren – aber vielleicht hat das System einfach einen Wurm? Immerhin heißt der Top-Posten im Ministerium „Minister“ – ein Wort, das ja eigentlich aus zwei zusammen gesetzten Worten besteht: „Mini“ und „Ster“. Mini heißt klein, Ster ist ein Maß für Hohlräume – glauben Sie ernsthaft, dass ein Job Genies anzieht, der als „kleiner Hohlkopf“ ausgeschrieben ist?

Warum wir keine dicken Dinger mehr drehen!

Donald Trump hat es zurzeit nicht leicht. Die Sache mit der Mauer stockt, seine Privatfehde mit Jeff Bezos von Amazon läuft auch nicht wie erhofft – jetzt erfolgt der nächste Schlag: Der letzten Gesundheitsuntersuchung zufolge ist der Präsident „fettleibig“. Nicht nur übergewichtig – sondern fett! Zwei Kilo mehr als bei der letzten Untersuchung vor einem Jahr – da hilft vermutlich auch die Ausrede wenig, er hätte beim letzten Wiegen halt keine Erektion gehabt… Natürlich sind das gemeine „fake News“: die Waage war wahrscheinlich ein minderwertiges ausländisches, wenn nicht gar chinesisches, Produkt, welches von illegalen mexikanischen Immigranten ins Weiße Haus geschmuggelt wurde – finanziert durch Jeff Bezos. In einem Wort: Mit Mauer wäre das nicht passiert!

Trump ist jedoch nicht der einzige Übergewichtige, der dieser Tage Probleme hat. Auch dem Airbus A380 geht es an den Kragen. Zu schwer, zu dick, zu teuer, lautet das verheerende Urteil der Kunden. Dicke Dinger (auch die Boeing 747 steht vor dem Aus) haben es zunehmend schwer. Übergewicht passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Vielleicht auch einer der Gründe, weshalb der Mensch die Wale ausrottet. Zu dick, zu schwer, zu teuer. Vor allem aber: zu gefährlich. Denn bei steigenden Meeresspiegeln lassen so fette Tiere das Wasser ja noch stärker ansteigen. Weiß doch jeder, der schon mal mit einem dicken Geschwisterchen die Badewanne teilen musste. Insofern hat das Leerfischen der Meere auch eine gewisse Logik.

Vor allem aber kostet Übergewicht sehr viel Geld – allein in Deutschland gehen für die Bekämpfung von Fettleibigkeit locker 20 Milliarden Euro über die Theke. Jedes Jahr. Allerdings ist das nichts im Vergleich zu den vielen Hundert Milliarden, die Trumps Wirtschaftspolitik die Welt noch kosten kann. Wann lernen die Amerikaner, dass Trump ganz unabhängig von seinem körperlichen Zustand zu dick, zu schwer und vor allem aber zu teuer ist?

Warum wir in Paralleluniversen leben!

„Frauen, die Brustkrebs kriegen, haben ein Thema mit ihrer Weiblichkeit,“ sagt eine Bekannte neulich zu mir. Mir blieb die Spucke weg. So einfach ist das also! Eigentlich beschämend, dass das Tragen langer Röcke sowie gemeinsame Fruchtbarkeitstänze bei Vollmond (oder was auch immer man unter „Weiblichkeit“ versteht) noch keine Standardtherapie gegen Brustkrebs ist. Leider sind Esoteriker häufig beratungsresistent, weil sie sich in einem System bewegen, gegen dessen Geschlossenheit Guantanamo Bay wie offener Strafvollzug wirkt.

Noch beschämender ist, dass diese Küchenpsychologen oft als Heiler oder „Coach“ arbeiten. Dann fliegen einem „Naturgesetze“ um die Ohren: das „Spiegelgesetz“, das „Resonanzgesetz“ oder das „Polaritätsgesetz“. Diese Glaubenssysteme haben allerdings mit Gesetzen so wenig zu tun wie Donald Trump mit Einfühlsamkeit. „Du ziehst das irgendwie an, oder?“ wird gern gefragt, wenn man wieder mal besonders krank ist (Resonanzgesetz). „Was will dir das jetzt wieder spiegeln?“ – erkundigen sich die „Spiegel“-Gesetzler scheinbar mitfühlend bei Todkranken, bevor das Polaritätsgesetz aus dem Sack geknüppelt wird: „Da hast du deine Schattenseite wohl noch nicht richtig integriert!“

Das Ganze wird gern gekoppelt mit einem Versprechen der Heilung, „wenn man es wirklich will“. Was natürlich im Falle eines Exitus heißt, dass man „es wohl nicht genug wollte“. Dann hat man beim Sterben zusätzlich versagt… Möge uns das Leben vor Leuten schützen, die für alles ein „Gesetz“ haben. Denn das blendet aus, dass das Meiste in der Evolution Zufall ist. Und sie nehmen das Schönste: Die Fähigkeit zum Staunen. Aber vielleicht ist das nur mein Widerstand dagegen, „Verantwortung für meine Kreation“ zu übernehmen. Und ich muss mal gucken, ob ich nicht womöglich ein „fettes Thema mit meiner Männlichkeit“ habe. Bevor ich Prostatakrebs kriege.

Warum wir jetzt Nudeln boykottieren!

Terror durch Essen ist ein Syndrom, das sich immer weiter ausbreitet. Essens-Terroristen, sogenannte Orthorexiker (die nur „das Richtige“ essen) treten in verschiedenen Varianten auf: Veganer, Paleo(Steinzeit)-Diät-Halter, Ketogene (keine Kohlehydrate), Frutarier (essen nur das, was die Erde freiwillig rausrückt), Rohkostler, Slow Food und natürlich „Clean Eater“ (keine industriell verarbeiteten Lebensmittel). Sollte Ihnen das nächste Mal einer davon unterkommen, kontern Sie einfach ganz gelassen. Mit Gluten!

Denn „Gluten-frei“ ist das neue „Vegan“. Es ist quasi der Royal Flush der Ernährung. „Gluten-frei“ schlägt alles. Gegen Gluten (also das Kleber-Eiweiß, das in einigen Getreiden vorkommt) ist etwa ein Prozent der Bevölkerung wirklich allergisch. Ungefähr ein Fünftel der Deutschen jedoch lebt weitgehend Gluten-frei, weil es gerade Trend ist. Mit dieser Diät treiben Sie den Rest der Orthorektiker locker in den Wahnsinn. „Was passiert denn, wenn du Gluten isst?“ wird man Sie fragen. Dann beten Sie eine lange Liste scheußlicher Körper-Reaktionen runter, die unbedingt auch die Worte enthalten: „Durchfall, gegen den die Niagara-Fälle ein kümmerliches Rinnsal sind“!

Anschließend sollten Sie unbedingt ein paar tödliche Krankheiten erwähnen. „Wusstest du, dass Gluten für die meisten Krebs-Arten verantwortlich ist?“ Wenn man sich erkundigt, woher dieses Wissen rühre, erwidern Sie: „Dazu gibt es Studien, die aber von der Pharma-Industrie systematisch unterdrückt werden!“ Das sitzt. Schließlich weiß jeder, dass der Pharma-Industrie jedes noch so scheußliche Verbrechen zuzutrauen ist.

Falls Sie trotz Gluten weiterhin „orthorexiert“ werden, eskalieren sie zum „Gluten-freien Ovo-Lacto-Paleo-Rohkost-keto-veganen-Fruto-Slow-Food-Clean-Eating-Flexitarier“. Das ist zwar nur ein neudeutsches Wort für „Alles-Esser“, aber bis ihr Gegenüber das merkt, haben Sie die Torte schon verputzt!

Warum wir vom Ernährungswahn terrorisiert werden!

Kennen Sie Orthorexie-Terroristen? Orthorexie ist die Besessenheit, immer das Richtige essen zu wollen. Besonders weibliche Bewohnerinnen des Prenzlauer Bergs mit einem Hang zu Yoga und Montessori-Schulen sind stark Orthorexie-gefährdet. Als erstes erklärt ein Orthorexie-Terrorist bei einer Dinner-Einladung seinem potentiellen Opfer, dass er ab jetzt Ovo-Lacto-Vegetarier ist. Auf Nachfrage erfährt man, dass er zwar auf Fleisch verzichte, aber nicht auf Eier und Milch. Im Grunde also ein „stinknormaler“ Vegetarier, der sich wichtig machen will.

Als man ihm in der darauffolgenden Woche ein Käse-Omelett serviert, winkt der OT (Orthorexie-Terrorist) ab – mittlerweile sei er nämlich vegan. Veganer erkennt man schnell, weil sie sich sofort zum Veganertum bekennen. Im Gegensatz zu Ihnen, Sie Umweltschwein, der Sie die Welt durch ihren Konsum tierischer Produkte ruinieren. „Ich verwende keine Produkte von etwas, das ne Mutti hat“ erklärt der OT stolz. Und wirkt dann beleidigt, wenn man nachfragt, ob das auch für Produkte gelte, die aus Angela Merkels CDU-Zentrale stammen…

Schon eine Woche später eskaliert der OT zur „Paleo“, also Steinzeit-Ernährung. Ob man denn nicht wisse, dass unser Körper nur das wirklich verdaue, was schon im Paläolithikum verzehrt wurde? Dann knallt der OT Ihnen ein Leoparden-Steak auf den Tisch mit der Bitte, das medium-roh zuzubereiten und die Hülsenfrüchte aus der Küche zu verbannen.

Allmählich werden Sie etwas nervös, wenn der OT in der Nähe ist. Besonders, seit er zur „Paleo-Veganen Rohkost“ wechselte, sich also nur noch von Beeren, Nüssen und rohem Gemüse ernährt. In diesem Zustand bleibt nur noch die Hoffnung, dass der OT aufgrund von Mangelernährung demnächst zu schwach ist, um bei Ihnen vorbei zu schauen. Oder Sie überlegen sich eine wirksame Gegenstrategie – doch mehr davon später…

Warum die Konjunktur so vergiftet ist!

„Das ist Gift für die Konjunktur“, sagte der Wirtschaftsminister prompt, als es um die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für Wohlhabende ging. Nun ist „Gift für die Konjunktur“ kein ganz neues Argument. Es ist, um ehrlich zu sein, ein Argument, welches immer dann gerne verwendet wird, wenn es darum geht, einer etablierten Schicht ihre wirtschaftlichen Vorteile zu erhalten. „Gift für die Konjunktur,“ schallte es aus neoliberalen Kreisen, als es um die Einführung des Mindestlohns ging. Der Konjunktur machte das allerdings nicht so viel aus. „Gift für die Konjunktur“ hieß es übrigens auch, als im 19. Jahrhundert die Kinderarbeit abgeschafft wurde. Oder die Südstaaten der USA auf die Sklaverei verzichten mussten. Auch das machte der Konjunktur langfristig nicht so viel aus.

„Gift für die Konjunktur“ scheint also eher ein Totschlagargument, das angewendet wird, wenn man nichts verändern möchte. Energiewende? Gift für die Konjunktur! Begrenzung von Investment-Banker-Boni? Gift für die Konjunktur! Niveauvolle TV-Unterhaltung? Sie wissen schon… Nun ist es mit der „Konjunktur“ so eine Sache. Das Wort leitet sich vom lateinischen „coniungere“ ab, was soviel heißt wie „zusammenbinden“, „verknüpfen“ – auch im heimischen Bereich kann es Probleme mit diesen Aktivitäten geben. „Schatz, ich muss heute wieder ganz spät arbeiten.“ „Also was gewisse Verknüpfungsaktivitäten angeht – das wäre Gift für die Konjunktur…“

Andererseits stellt sich die Frage, ob Konjunktur an sich denn immer so eine wahnsinnig tolle Sache ist? Immerhin bindet eine boomende Konjunktur meist auch einen erhöhter CO2-Anstieg und eine Erwärmung des Klimas zusammen. Das wiederum zerstört im Endeffekt sehr viel Wohlstand und sehr viele Menschenleben. Ist die Konjunktur da nicht sogar selbst das Gift? Und Gift für die Konjunktur auf lange Sicht vielleicht eher ein Gegengift?